04.11.2016

Brüder und Schwestern in allen Lagern

Jahreskonferenz der russischen Pfingstler fand in Moskau statt

M o s k a u -- Die Feierstunden der „Vereinigten Russischen Union der Christen Evangelisch-Pfingstlerischen Glaubens“ (ROSChWE) können sich sehen lassen. Unter den russischen Protestanten kann keiner es besser. Zur Eröffnung ihrer diesjährigen Jahreskonferenz („Mali Sobor“) am 18. Oktober in der größten protestantischen Gemeinde Moskaus, der „Wort des Lebens“ Gemeinde, waren rund 50 geladene Gäste aus Politik und Kirche gekommen. Neben den schriftlich eingereichten Grüßen wurden rund 25 Grußworte vorgetragen. In der ersten Reihe saßen neben einem orthodoxen und einem katholischen Geistlichen noch zwei Männer mit weißen Turbanen. Die Vertreter von Orthodoxie und Islam sprachen die Versammelten mit „Brüder und Schwestern“ an. Auch die Muslime wurden vom Hauptgastgeber, dem Leitenden Bischof Sergei Rjachowski, herzlich umarmt. Auch die Russische Baptistenunion, die seit einem Jahr nicht mehr dem protestantischen „Konsultativrat der Leiter der protestantischen Kirchen Rußlands“ angehört, war mit von der Partie.

Nur die pfiffige ROSChWE war auf die Idee gekommen, die Politikerin Irina Jarowaja zu einer großen, kirchlichen Feierstunde einzuladen. Als Kopf der umkämpften und anti-missionarischen „Jarowaja Gesetze“ muß sie als eine Hauptgegnerin der protestantischen Bewegung gelten. Bis zur Unterzeichnung durch Wladimir Putin im vergangenen Juli hatte man gegen die Gesetzgebung kräftig angebetet. Jarowaja kam nicht – doch der ROSChWE ging es vor allem darum, der orthodoxen Politikerin der Putinschen Partei eine Geste guten Willens zukommen zu lassen. Der Leitende Bischof versicherte sogar in seinem Beitrag, die „Jarowaja Gesetze“ hätten auf den hohen Stellenwert der Mission hingewiesen und die Protestanten somit zu einem verstärkten, diesbezüglichen Engagement angespornt.

Auf das Bestehen gemeinsamer Aufgaben wiesen Politiker und Geistliche – auch Muslime - immer wieder hin. Beim Geistlichen vom orthodoxen Außenamt, Mönchpriester Stefan, hieß es z.B.: „Zwischen uns bestehen einige Unterschiede, doch eine Bühne für gemeinsames Handeln gibt es auch. Wir teilen die Verpflichtung zu einer festen Einhaltung der moralischen Grundlagen unseres Lebens und vertreten gemeinsam eine patriotische Position.“ 

Das Gebaren der ROSChWE weist jedoch auf einen Widerspruch hin: Einerseits kann sie nur als kirchlicher Hauptkonkurrent der russischen Orthodoxie gelten. Ihr offensives Missionieren und ihr Verzicht auf die melancholische und nach innen gekehrte Religiosität russischen Zuschnitts fallen sofort auf. In Stil, Lautstärke und Inhalt gibt ihre Musik - das Remmidemmi reicht von Bach bis Broadway und Heavy Metal - das globalisierte Pfingstler- und Charismatikertum getreu wieder. (An diesem Abend gab es allerdings eine Ausnahme: eine exzellente, klassische Interpretation der russischen Nationalhymne.) Das verbindet sie andererseits mit eindeutigen Loyalitätsbekundungen gegenüber dem Staat.

Ob in Kiew oder in Moskau – in beiden Fällen stechen die Charismatiker durch eine ausgeprägte Staatstreue hervor. Die Charismatiker sind eben flexibler als alle anderen. Schließlich besteht die ROSChWE überwiegend aus Menschen, die erst seit 1990 zum Glauben gekommen sind; es fehlt die Last der Tradition. Nicht wenige ihrer älteren Pastoren sind pensionierte Offiziere der Roten Armee.

Sergei Filinow, ein Moskauer Pfingstpastor mit einer Gemeinde, die der ROSChWE nicht angehört, sieht einen wachsenden Abstand zum nordamerikanischen Vorbild. Nach seinen Angaben bemüht sich die jüngere Pastorenschaft um das Heimischwerden; nicht wenige von ihnen sollen mehrere Jahre an der orthodoxen „Russischen Christlichen Humanitären Akademie“ in St. Petersburg verbracht haben. „Die Pastoren nehmen ihre Hausaufgaben ernst“, insistiert er. „Sie denken anders als viele im Westen.“ In diesem Zusammenhang fällt einem die ROSChWE-Gemeinde Pensa ein. (Siehe unsere Meldung vom 27. Juni 2015.)

Die ROSChWE hat rund 400.000 Mitglieder. Das macht sie etwas größer als die ältere, von Bischof Eduard Grabowenko aus Perm geführte Pfingstkirche, die „Russische Kirche der Christen evangelischen Glaubens“ (RKCEG).

Die Jarowaja-Gesetze
Trotz aller Euphorie an dem Abend wurden auch knapp die Mißstände in den Weiten des Landes erwähnt. Beim Rechtsanwalt Wladimir Rjachowski (einem Bruder von Sergei) hieß es: „Wir sind hier brüderlich versammelt, doch in der Provinz gibt es Ärger.“ In mindestens drei Grußworten wurde auf die Jarowaja-Gesetze hingewiesen. Bei einem Politiker hieß es: „Gesetze haben wir genug – jetzt brauchen wir nur noch gute.“ Ein anderer meinte: „Bei drei Schritten nach vorne gibt es immer einen Schritt nach hinten.“ Das ist eben die neue Gesetzgebung.

Recht bald nach Paraphierung dieser Gesetzgebung am 7. Juli tauchte das sogenannte „Lineal Rjachowski“ auf. In diesem Text ist Wladimir Rjachowski, ein Mitarbeiter des „Slavic Legal Centre“, bemüht, das Missionieren anhand der neuen Gesetze zu definieren. Das Missionieren reduziert er auf fünf Bedingungen: Es muß sich um eine religiöse Vereinigung drehen, die tätige Person ist von der Vereinigung bevollmächtigt, die Handlung wird während der Ausführung öffentlich verbreitet, Informationen über die Handlung werden an Personen verteilt, die nicht zur Organisation gehören, und Informationen über die Handlung werden verbreitet in der Absicht, die eigene Mitgliederzahl zu erhöhen. Fehlt nur eine dieser Bedingungen, handelt es sich nicht um eine missionarische Handlung im Sinne der Jarowaja-Gesetze.

Sergei Filinow weist darauf hin, daß die rund 10 Verurteilungen im Zeitraum September-Oktober rechtlich nicht auf Jarowaja basieren. „Unsere kirchlichen Juristen haben schnell reagiert“, berichtet er. Das emsige „Slavic Legal Centre“ vermittelt den Eindruck, Betroffene umgehend und umfassend zu beraten.

Pastor Filinow berichtet, daß Politiker wie Josef Diskin – ein Vertrauter Sergei Rjachowskis von der Bewegung „Erneuerung“ - die feste Absicht haben, die fragwürdige Gesetzgebung zu revidieren. Sowohl Diskin wie Rjachowski gehören der überparteilichen „Öffentlichen Kammer“ an. Doch nach Filinows Überzeugung wird das nicht gelingen: „Wir werden zu Rande kommen müssen mit dem, was ist.“

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KOMMENTARE

Franklin Graham kommt nicht nach Moskau

Am 4. August berichteten englische Zeitungen, daß Franklin Graham, Leiter der renommierten „Billy Graham Evangelistic Association“, seinen Weltgipfel über die religiöse Verfolgung von Christen in die US-Hauptstadt Washington verlegt habe. Das Ereignis war ursprünglich für Moskau vom 28. bis 30. Oktober vorgesehen gewesen; der neue Termin ist der 10. bis 13. Mai 2017.

Auf seiner Facebook-Seite hatte Graham die Verlegung auf die anti-missionarische Jarowaja-Gesetzgebung des russischen Staates zurückgeführt. Das scheint nicht die ganze Wahrheit zu sein, denn schon Ende Mai hatten wir bekanntgegeben, daß am 19. Mai der Moskauer Gipfel entweder langfristig verschoben oder aufgehoben worden war. Erst am 7. Juli wurden die Jarowaja-Gesetze von Wladimir Putin unterzeichnet.

Der ehemalige Präsident der russischen Baptisten, Juri Sipko, führte die Absage auf die scharfe Kritik aus konservativen orthodoxen Kreisen zurück, die das Zusammentreffen des Patriarchen Kirill mit Papst Franziskus in Havanna am 12. Februar ausgelöst hatte. Hinzu kam das Fernbleiben des Moskauer Patriarchats vom Pan-Orthodoxen Konzil auf Kreta Ende Juni. Auch das wurde auf den Widerstand konservativer Kreise in Rußland zurückgeführt. Diese Erläuterung Sipkos scheint plausibel zu sein – es sei eben nicht der russische Staat gewesen, der sich gegen einen Weltgipfel auf seinem Boden gestemmt hat.

Zumindest vereinzelte russische Protestanten und Orthodoxe sind in Washington zu erwarten.

Gennadi Mochnenko und der Waffenbesitz

Zwecks Spendensammlung bereisen die Leiter führender ukrainischer Gemeinden immer wieder die USA. Da ist der bekannte Pfingstpastor Gennadi Mochnenko aus der Frontstadt Mariupol keine Ausnahme. Er ist eine leitende Persönlichkeit in der „Ukraine ohne Waisen“-Bewegung.

Bei einer Rundtour in Texas äußerte er auf seiner Facebook-Seite am 26. Oktober seine Bewunderung darüber, daß dort sogar in der Kirche fast alle Männer Waffen trugen. Da hatte er spaßeshalber in einer Gemeinde eine Umfrage gestartet mit der Frage, ob die Männer bewaffnet seien. Daraufhin zog der Pastor der Gemeinde eine Pistole aus der Tasche - Foto mitgeliefert. „Ein Gruß an alle Pazifisten und Tolstojaner von Wladimir Iljitsch (Lenin)!“ rief Mochnenko auf Facebook aus. Er folgerte: „Die Pastoren in Texas mit ihren vom Sowjet-Kommunismus unbeleckten Hirnen begreifen unsere Streitereien über das Recht der Christen auf Selbstschutz überhaupt nicht.“

Da war die Zustimmung aus der russischsprachigen Welt keineswegs einhellig, doch eine Dame aus Kiew versicherte: „Ich empfinde nichts Verwerfliches dabei, wenn ein Mensch bewaffnet in den Gottesdienst kommt.“ Zur Entspannung bei der Facebook-Debatte trug die entwaffnende (?) Antwort eines texanischen Ehepaares bei: “Für uns ist das Ganze keine theologische Angelegenheit: Uns macht es einfach Spaß, Waffen zu besitzen.”

Der deutsche Kabarettist Volker Pispers gab vor einigen Monaten an, in den USA würden täglich 80 Menschen umgebracht werden. „Im Irak würde man das einen Bürgerkrieg nennen“, fügte er hinzu.

Im März 2015 hatte Mochnenko im ukrainischen Fernsehen seine Bereitschaft erklärt, bei passender Gelegenheit Wladimir Putin eigenhändig zu töten. (Siehe unsere Meldung vom 2.7.2015.)

Eine selektive Geschichte im Baltikum

Vor einigen Wochen besuchte ich eine protestantische Tagung in Estland. Bis auf eine Ausnahme hinterließen die versammelten estnischen Pastoren den Eindruck, über den Wechsel des Baltikums vom russischen zum westlichen Lager höchst erfreut zu sein.

Doch die Lektüre des Aufsatzes eines kalifornischen Professors und Autors, Sandy Tolan, machte mich einmal wieder stutzig. Nach dem Besuch eines Petersburger Geschichtsmuseums war er in seinem estnischen Pendant in Tallinn gelandet: dem 2003 eröffneten „Museum der Besetzungen“. Tolan nennt dieses Museum eine „historische Leugnung“, denn es beschreibt die Esten als die ständigen Opfer der Russen – und die gelegentlichen Opfer der Deutschen.

Er schreibt: „Was mir an diesem Museum am meisten auffiel, war die Schilderung einer estnischen Opferrolle ohne jegliche Andeutung von Mitverantwortung. Esten ‚schlossen sich der deutschen Armee an’, doch niemals wurden sie Nazis.“ Tolan zitiert Oula Silvennoinen von der Universität Helsinki: “Bei der Durchführung des Holocaust auf Ortsebene war die Kollaboration unablässig.“ Silvennoinen fügte hinzu, daß „das Genozid an den estnischen Juden größtenteils von der estnischen Miliz und Staatspolizei begangen wurde“. An anderer Stelle ist zu lesen, deutsche Armeevertreter hätten schon im Oktober 1941 behauptet, daß Estland „judenfrei“ sei. Das war erst zwei Monate nach Beginn der deutschen Besetzung.

Tolan beschließt: „Welcher Kontrast im Vergleich mit Deutschland, das seiner furchtbaren Geschichte voll ins Gesicht schaut“. Jedenfalls seit 1968, würde ich einwerfen. Nach den Studentenrevolten und der Pensionierung der meisten Täter hat sich Westdeutschland seiner Vergangenheit relativ umfassend gestellt.

Das Museum in Tallinn weist nicht darauf hin, daß die Esten im II. Weltkrieg auf beiden Seiten der Barrikaden gestanden hätten. Von 1941 bis 1944 hungerten Esten im eingekesselten, sowjetisch-regierten Leningrad während andere Landsleute gemeinsam mit der Wehrmacht um das Aushungern bemüht waren. Berichten zufolge kämpften im II. Weltkrieg 30.000 Esten auf Seiten der Sowjets und weitere 60-80.000 auf deutscher Seite.

Ein gutes Beispiel für die Tausenden von aufgespalteten, estnischen Familien ist die Meri-Sippe. Lennart Meri (1929-2006) war ein Kämpfer um die Staatssouveränität und estnischer Präsident von 1992 bis 2001. Sein älterer Vetter, Arnold Meri (1919-2009), war ein hochdekorierter Kriegsveteran und “Held der Sowjetunion”. Zum Zeitpunkt seines Todes lief noch ein Prozeß gegen Arnold Meri wegen Genozids an 251 Esten, die im März 1949 deportiert worden waren. Doch recht bald nach den Deportationen waren Arnold alle Ehrenbezeichnungen abgenommen worden und er setzte sich nach Zentralasien ab. Gemeinsamen mit Tausenden von anderen Betroffenen wurde er 1956 rehabilitiert. Manche Quellen geben an, er sei wegen seines Zögerns, sich an den Deportationen zu beteiligen, bestraft worden.

Also war Arnold Meri zum Zeitpunkt seines Todes vor sieben Jahren gleichzeitig eine Unperson in Estland und ein gefeierter Held nebenan in Rußland. Offensichtlich hatte Lennart stets gezögert, den Cousin öffentlich zu kritisieren. Dank Arnolds Intervention auf oberster Ebene hatte Lennarts Familie viel früher als die meisten nach Estland zurückkehren dürfen. Schon 1953 konnte Lennart promovieren. (Siehe „Berliner Zeitung”, 31 Aug. 2007, sowie „Wikipedia“.)

Die uns gelieferte Geschichte ist in der Regel eine von Siegern geschriebene Deutung. Und Sieger feilen, schleifen und gestalten die Geschichte bis sie hinpaßt. Zum Schluß ist die staatssanktionierte, gegenwärtige Deutung der estnischen Geschichte nicht weniger schräg als jene der verblichenen Sowjetära. 

Sollten wir Steine werfen? Falls ja, auf wen? Ich erkenne nicht, daß die estnischen Protestanten sich auf die Brust schlagen würden. Doch was hätten die russischsprachigen Gemeinden um Narwa oben im nordöstlichen Winkel Estlands zu sagen? Vielleicht könnten sie zum Auswuchten dieses Geschichtsbildes beitragen.

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Das Gerangel um die Krim

Berichten aus Rußland zufolge befinden sich die protestantischen Gemeinden der Krim unter erheblichem Druck. Ihre ehemaligen Kirchenoberen aus Kiew bestehen darauf, daß die institutionellen Bindungen an der ukrainischen Hauptstadt erhalten bleiben. Das wird zunehmend schwieriger, denn seit März 2014 gehört die Krim faktisch zur Russischen Föderation. Das führt auch zu erheblichen Spannungen zwischen den pro-Kiewer und pro-Moskauer Fraktionen in den Gemeinden. Die Tatsache, daß es auch im Sommer 2016 tausende von visafreien Urlaubern aus der Groß-Ukraine auf der Krim gegeben hat, hat die Unruhen in den protestantischen Gemeinden nur vergrößert.

Daß russische Kirchenleitungen diese Gemeinden unter Druck setzen würden, sich nach Moskau rechtlich umzuorientieren, ist mir nicht bekannt. Dagegen sperren sich die Moskauer aber auch nicht dagegen, und das führt zu Spannungen zwischen ihnen und den Kiewer Kirchenleitungen.

Vorsicht, Kommentar: Mir fällt es schwer, etwas Nachteiliges an der Anerkennung politischer Realitäten zu finden. Das sind in diesem Falle auch Realitäten, die die protestantischen Gemeinden auf der Krim weder zu verantworten haben noch können sie es verändern. Im Jahre 1969, 24 Jahre nach Kriegsende, ist es endlich zur Gründung einer eigenständigen, evangelischen Kirche in der DDR gekommen. Bis dahin hatten westdeutsche Kreise darauf bestanden, daß es auch im gespaltenen Deutschland eine einheitliche Ev. Kirche in Deutschland gibt.

Hinterher war jedoch an diesem Schritt wenig Nachteiliges zu erkennen – er hat vielmehr zu einer deutlichen Entspannung auf der politischen und zwischenmenschlichen Ebene geführt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 war davon keine Rede mehr. Man sah: Allein an einer institutionellen Aufspaltung von Kirchen hat das deutsche Einheitsgefühl keinen Schaden genommen.

Damit soll nicht gesagt werden, daß sich die Krim einmal wieder der Ukraine anschließen wird, sondern nur, daß eine Anerkennung politischer Realitäten zu einer deutlichen Entspannung in den politischen und zwischenmenschlichen Beziehungen führen kann.

WEITERE NACHRICHTEN

Alexander Scheiermann neuer lutherischer Bischof in Omsk

Im Rahmen der Omsker Synode der „Evangelisch-Lutherischen Kirche Ural, Sibirien und Fernost“ wurde am 14. Oktober Alexander Scheiermann als neuer Bischof dieser Kirche eingesegnet. Seine offizielle Einführung wird am 23. April 2017 in Omsk stattfinden.

Die Wahl eines neuen Bischofs wurde notwendig nachdem der süddeutsche Pietist Otto Schaude am 27. September in Deutschland verstorben war. Der Rentner Schaude, Bischof seit 2010 und seit 2014 an Krebs erkrankt, versah gemeinsam mit seiner Gattin Brigitte bis nur wenige Tage vor seinem Tode diesen kirchlichen Dienst. Bischof Schaude hatte sich Scheiermann sogar als seinen Nachfolger gewünscht.

Alexander Scheiermann, 1967 im Omsker Gebiet geboren, dient seit 1998 als Propst in Saratow/Wolga. Gemeinsam mit seinen Eltern war Scheiermann 1988 nach Deutschland ausgewandert. In den Jahren 1990-94 studierte er am Predigerseminar St. Chrischona in der Schweiz. Schon ein Jahr danach kehrte er als deutscher Staatsbürger gemeinsam mit seiner Ehefrau Irene nach Rußland zurück. Das Paar hat heute drei Kinder. Der neue Bischof ist – sowie die Saratower Arbeit überhaupt - eng mit der osteuropäischen Arbeit der Marburger Mission verbunden.

Motorola getötet

Am 31. Januar 2015 brachten wir die Nachricht, daß wohl sämtliche auf dem Donezker Flughafen gefallenen Soldaten der westlichen Seite solarzellenbetriebene Player mit geistlichen Beiträgen von Charles Stanley, einem Baptistenpastor aus Atlanta/USA, mit sich führten.

Zuträger dieser Information war ein konfessionell nahezu unkundiger Mensch: „Motorola“ bzw. Arsen (oftmals Arseni) Pawlow. Pawlow, ein russischer Staatsbürger, ist wohl der bekannteste Milizenführer der Donezker Seite gewesen. Am 16. Oktober wurde der umstrittene Oberstleutnant im Fahrstuhl seines Wohnhauses in Donezk durch eine ferngezündete Bombe getötet. Er hinterläßt eine Frau und drei Kinder.

Dr. phil. William Yoder
Smolensk, den 4. November 2016

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