14.06.2018

Das drohende Loch im Mosaik

Die flächenmäßig größte lutherische Kirche der Welt kommt fast ohne Menschen aus

Eine Reportage

W l a d i w o s t o k -- Sogar in Russisch-Fernost kann es gerade der Staat sein, der eine protestantische Gemeinde am Leben erhält. In einer lutherischen Hausgemeinde war die Auflösung durch die Kirchenleitung bereits genehmigt, doch nach einer Mitteilung der Stadt, daß die Entregistrierung mit bis zu 60.000 Rubel (damals rund 1.800 Euro) zu Buche schlagen würde, entschloß sich die Gemeinde zum Weitermachen.

Ein Glück, daß die Bürokratie auch Böses verhindern kann: Die vier starken Frauen in dieser Gemeinde sind durchaus fähig, eine Gemeinde nach eigenem Gutdünken zu führen. Es fehlt aber an Zeit und Kraft, Predigten auszuarbeiten und Veranstaltungen für Gemeindefremde durchzuführen. Die Powerfrauen Rußlands leiden an Überlastung: Die Gemeindeleiterin in diesem Falle arbeitet „nebenbei“ rund 60 Stunden pro Woche in einer Apotheke. Und dabei besteht noch im Sommer das arbeitsintensive „Phänomen Datscha“. Diese Hausgemeinde wird gegenwärtig von weniger als 10 Personen besucht.

In Russisch-Fernost läuft das lutherische Gemeindeleben oftmals nur auf Sparflamme weiter. Vor allem wegen der Heizungskosten soll die Gemeindewohnung in der ehemaligen Gulag-Stadt Magadan verkauft werden: In Komsomolsk-na-Amure besuchen bis zu neun Personen die 14-tägig stattfindenden Gottesdienste. Chabarowsk mit seinen 577.000 Einwohnern verfügt über acht Baptistengemeinden, doch die einzige lutherische Gemeinde der Großstadt hat meistens nicht mehr als sieben Menschen im Gottesdienst. Diese beiden Gemeinden müssen nun seit Anfang 2002 ohne Pastor auskommen. Der letzte Pastor dieser Gemeinden, der Hannoversche Pfarrer Markus Lesinski, versicherte kürzlich: „Es ist geradezu ein Wunder, daß es diese Gemeinden noch gibt.“ Sollte man bei gefährdeten Gemeinden Sterbehilfe leisten – oder erst recht dann nach bestem Willen und besten Kräften zum Wiederaufbau beitragen?

Neben Laienpredigern verfügt die lutherische Propstei Fernost über nur zwei hauptamtliche Pastoren: Der 1937 geborene Manfred Brockmann aus Hamburg ist Propst in Wladiwostok und seit 1992 dabei. Der einheimische Lutheraner Alexander Lapotschenko dient seit 2008 250 km weiter nördlich in der Gemeinde Arsenjew; er betreut ebenfalls die Gemeinde Ussurijsk. Der einzige wie eine Kirche aussehende lutherische Kirchenbau in Russisch-Fernost ist die 1907 in Wladiwostok eingeweihte Pauluskirche. Das macht sie zum ältesten Kirchenbau in der jungen Stadt.

Man muß sich darüber im Klaren sein, daß die lutherischen Gemeinschaften Rußlands im vergangenen Vierteljahrhundert einem massiven Schrumpfungsprozeß ausgesetzt waren. Die umtriebige Jekaterina Weiz, Gemeindeleiterin in Komsomolsk-na-Amure, gibt an, ihre kleine Gemeinde habe sich noch um die Jahrtausendwende über rund 200 Besucher erfreut. In Chabarowsk waren die Besucherzahlen ebenfalls dreistellig. In der Flaggenschiff-Gemeinde Wladiwostok – sie hat 100 Mitglieder - besuchen heute bis zu 40 Personen die sonntäglichen Gottesdienste.

Nina Dmitrijewa, eine langjährige Laienpredigerin in der Gemeinde Wladiwostok, beklagt sich darüber, daß heute so wenig Menschen den Weg in den Gottesdienst finden. „Man sieht es noch auf den alten Fotos“, erzählt sie. „Früher hatten wir eine äußerst einfache Ausstattung in der Kirche, doch die Reihen waren voll. Heute ist die Ausstattung durchaus zufriedenstellend, doch die Stühle leer.“ Als Ursache läßt sie nicht nur die Ausreisewelle und hohe Sterberaten gelten. Sie sagt; „Manche Menschen hatten das falsche Verständnis von Gemeinde - sie wollten lieber nehmen als geben.“ Sobald die Warenlieferungen aus dem Westen ausblieben, blieben sie der Gemeinde fern.

Das gefährdete Mosaik
Die in Omsk ansässige „Ev.-Lutherische Kirche Ural, Sibirien und Fernost“ mit ihren rund 4.000 Mitgliedern und 150 Ortsgemeinden ist flächenmäßig die größte lutherische Kirche der Welt. Doch nur neun ihrer Gemeinden – von Tschita im Westen bis Magadan im Osten – gehören zur Propstei Fernost. Nun steht etwa die Hälfte dieser neun Gemeinden in der Gefahr, von der Bildfläche zu verschwinden. (Kurz vor dem Örtchen Jerofei Pawlowitsch an der Transsibirischen Eisenbahn beginnt die Oblast Amur und somit das, was die Russen als „Fernost“ bezeichnen. An der Stelle hört Sibirien auf.)

Die Welt des Christentums läßt sich als Mosaik begreifen. Jede Denomination und jeder Erdenfleck stellen ein einzigartiges Steinchen in einem großartigen Mosaik dar. Und wenn nun die lutherischen Kirchen im Fernen Osten Rußlands fehlen würden, gäbe es in diesem schönen Mosaik ein ins Auge stechendes Loch.

Aber noch ist nicht alles verloren. In der Muttergemeinde Wladiwostok bleiben die Sachen geregelt – die Gemeinde verfügt weiterhin über eine Reihe von treuen „Gebern“. Jeden Tag steht tagsüber das Kirchentor offen. Der Konzertveranstalter Wiktor Baranow ist meistens zugegen und kann selten über Besuchermangel klagen. Die Gemeinde veranstaltet rund 33 „Abendmusiken“ jährlich; mit ihrem Musikangebot in einer passenden und überschaubaren Umgebung hat sie eine Nische in der kulturellen Szene der Stadt erobert. Mit einem Wort oder Gebet am Anfang und Ende der Veranstaltungen wird stets für den geistlichen Bezug gesorgt. Gemeindemitglied Baranow, seit 1969 in der Stadt, betont stets den missionarischen Auftrag dieser Abende und sieht in ihnen ein Mittel, Menschen an die Gemeinde heranzuführen. Durch dieses Musikangebot verfügt die Gemeinde nach Angaben des Propstes über 3-4.000 „Freunde“. Auch die Anonymen Alkoholiker, eine Bibelgruppe und andere treffen sich regelmäßig in den Räumlichkeiten dieser Kirche.

Der englischsprachige Gemeindeleiter und Bahningenieur Konstantin Pawlenko hat noch Träume: Trotz Widerstände hofft er weiterhin auf den Bau eines kleinen Gästehauses auf dem Kirchengelände. Das würde neben der Musik für weitere Einnahmen sorgen. Das paßt auch ganz zu Konstantins gastfreundlichem Naturell. Seine Familie lebt bereits seit sechs Generationen im Raum Wladiwostok, doch er und Frau Anna sind beide Lutheraner der ersten Generation.

Menschlich zugewandt wirkt ebenfalls die aus Karaganda in Kasachstan stammende Sozialpädagogin Swetlana Waschanowa. Sie macht den Tanzunterricht in der Gemeinde und, falls an einem Sonntag Kinder erscheinen, auch den Kindergottesdienst. In diesem Jahr organisiert sie ein Kinderlager. Sie hatte bei einem Besuch in Deutschland 1999 eine evangelische Gemeindearbeit schätzen gelernt. Bei ihrer Rückkehr stellte sie zu ihrem Erstaunen fest, daß auch Wladiwostok Ähnliches zu bieten hat.

Die bereits erwähnte, 1949 in Workuta geborene Nina Dmitrijewa gehört zu den wenigen Rußlanddeutschen, die die lutherischen Gemeinden in Fernost noch aufzubieten haben. Als um 1992 die gesamte Verwandtschaft Frunse (heute Bischkek in Kirgistan) Richtung Westen verließ, schlug Nina gemeinsam mit ihrer Familie die entgegengesetzte Richtung ein. Das lag daran, daß ihr Ehemann, ein Polizist russischer Nation, im neuen Staat Kirgistan nichts mehr zu suchen hatte. Diesen Umzug hat sie bis heute nicht bereut.

Der Organist Stepan Menschoikin musiziert umsonst bei den Gottesdiensten – eine Seltenheit in Rußland.

Die Steine werden schreien müssen
Wladimir Winogradow, der in Omsk ansässige Propst für die 120 Gemeinden im sibirischen Teil der Kirche, erkennt im Mitarbeitermangel die allergrößte Not seiner Kirche. Da läge es natürlich nahe, daß sich seine Kirche verstärkt nach einheimischen Kandidaten umsieht. Solche Menschen sprechen bekanntlich ein akzentfreies Russisch und besitzen den richtigen Reisepaß. Doch sehr zum Leidwesen der Pröpste in Omsk und Wladiwostok haben sich die meisten der in Frage kommenden Menschen längst für ein Leben im Westen entschieden. Dem Wladiwostoker Propst ist es ein großes Ärgernis, daß mitunter deutsche Missionen bei der Übersiedlung von Theologen in den Westen behilflich sind.

Wenn jedoch die passendsten Lutheraner ausfallen, dann werden nach der Aussage Jesu (Lukas 19,40) die Steine zum Verkündigen herangezogen. Das sind eben die Ausländer evangelischen Glaubens - und die „Steine“ sind sehr viel zahlreicher als die Lutheraner in Rußland selbst. Dazu müßten auch die Christen Chinas gehören. Geht man von einer Million erwachsenen Protestanten in Rußland aus, dann sind die chinesischen Gemeinden mindestens hundertfach größer und reicher. Es gibt chinesische Pfingst- bzw. Baptistengemeinden in Grenzstädten wie Chabarowsk und Blagoweschtschensk, und sogar eine Pfingstgemeinde mit fast 1.000 Besuchern in Moskau. Zu Pfingsten 2018 feierte eine Gemeinde der Drei-Selbst-Bewegung aus der Grenzstadt Suifenhe in der Pauluskirche. Diese Gemeinde liegt nur 150 km westlich von Wladiwostok. Seit Jahren pflegt Propst Brockmann Beziehungen nach Harbin in der Mandschurei.

In methodistischen und presbyterianischen Kreisen in Russisch-Fernost sind südkoreanische Staatsbürger weiterhin aktiv. Das Eintreffen der ostasiatischen Völker würde natürlich dem lutherischen Mosaiksteinchen ein neues Kolorit verleihen – doch ein deutsches Luthertum in Russisch-Fernost gehört ohnehin der Vergangenheit an.

Willige Helfer, die nicht nach Rußland umziehen können, werden sich damit begnügen müssen, langfristig angelegte und immer wiederkehrende Besuchsreisen vorzunehmen. Solche Besuche vor allem aus Deutschland und Nordamerika werden nahezu einhellig begrüßt. Sie liefern notwendiges Material und erinnern die Gläubigen daran, daß sie nicht vergessen sind. Der ehemalige Pfarrer in Fernost, Markus Lesinski, kommt jedes Jahr im Oktober zur Durchführung einer Kulturwoche in Chabarowsk wieder. Das wird ihm hoch angerechnet. Lesinski ist Auslandspfarrer der EKD im indischen Neu-Delhi.

Die lebensfrohe Olga Kochan aus Komsomolsk verfügt noch über dicke Alben, die ihren Besuch bei lutherischen Gemeinden im Bundesstaat Kansas 2003 dokumentieren. Sie wünscht sich innig ein Wiederaufleben dieser alten Beziehungen. Ihre Hoffnung ist nicht unrealistisch, denn Pfarrer Gary Teske aus Topeka/Kansas und seine „Central States Synod“ der „Evangelical Lutheran Church in America“ (ELCA) pflegen weiterhin partnerschaftliche Beziehungen mit diesen russischen Gemeinden. Es hat auch bereits Einsätze von Arbeitsbrigaden aus Australien und Neuseeland in Wladiwostok gegeben. Man würde meinen, gerade diese angefangenen Beziehungen seien ausbaufähig.

Doch all dies ist letztlich nur Notlösung und Behelf. Besucher können ständige Mitarbeiter vor Ort nicht ersetzen. „Wir sind die großartigsten Missionare überhaupt“, prahlte ein presbyterianisches Ehepaar aus den USA vor einigen Jahren, „denn wir leben hier vor Ort.“ Beim Einsatzort handelte es sich um Klaipeda/Memel in Litauen. Gemeindeleiter Konstantin Pawlenko versichert: „Es kann uns keiner von auswärts retten – das können wir nur selber.“ Er fügt auch hinzu: „Der menschliche Kontakt bleibt immer das Wichtigste – das Geld rangiert an zweiter Stelle.“

Die Vorzüge von Fernost
Was spricht für ein Leben in Russisch-Fernost? „Grüner geht’s gar nicht“, behauptet Nina Dmitrijewa. „Wir haben Natur pur mit Tigern, Bären, Wasserfällen, Bergen und Meeren, Angeln und Bootsfahrten.“ Doch wer auf Pilzsuche geht, sollte eher kräftig gebaut sein: Die Pilze können bis zum Knie reichen. Konstantin Pawlenko will ohne den Geruch des Meeres nicht leben. Wer auf Jachten und Schiffe steht, kann Touren bis nach Südkorea und Japan vornehmen. In Wladiwostok erinnern die Hügel und das Meer an San Francisco – aber ohne Erdbeben und Mieten in schwindelerregender Höhe. Doch dabei ist Fernost nach russischen Maßstäben relativ teuer. Ähnlich wie Minsk in Belarus macht Chabarowsk einen erstaunlich gepflegten und imposanten Eindruck.

Russisch-Fernost liegt überhaupt nicht am Rande, wenn man bedenkt, daß sich China als das „Reich der (Welt)Mitte“ begreift. Das war China tatsächlich bis ins 15. Jahrhundert hinein auch gewesen - und ist nun dabei, es wieder zu werden.

Russisch-Fernost ist außerdem ein hervorragender Ort für Orientalisten, die einen Wohnsitz auf russischem Boden bevorzugen. Blagoweschtschensk (übersetzt: „die Stadt der Guten Nachricht“), die Stadt am Amur mit Blick auf eine chinesische Stadt am anderen Ufer, hat ein protestantisches Ehepaar angelockt, das China als seine Missionsaufgabe begreift. Als Bewohner des grenznahen Gebiets können sie visafrei nach China einreisen. Er stammt von der Wolga, sie aus der Ukraine.

Die grenznahen Großstädte erleben ein buntes Volksgetümmel. Aus dem Stadtbild von Wladiwostok sind die Chinesen und Südkoreaner nicht wegzudenken. Und wer genau hinschaut, kann hin und wieder einen Nordkoreaner ausfinden machen. Südkoreaner besuchen die Stadt, um preiswert „Europa“ bewundern zu können. Swetlana Waschanowa und andere Lutheraner bedauern es, daß es nicht noch mehr japanische Touristen nach Russisch-Fernost zieht – sie sind wegen ihrer Freundlichkeit und ihres adretten Auftretens besonders beliebt.

Und wer etwas aus dem Nichts schaffen will, wer unternehmenslustig ist, ist in Fernost richtig am Platze. Wer an Fernweh und Tatendrang leidet, ist in Fernost versorgt. Das hat bereits in Westsibirien (Raum Omsk) unter rußlanddeutschen, mennonitischen Landwirten zu einer Mini-Rückwanderung geführt. Unternehmerisch sind in Deutschland die Pfründe und Filetstücke seit Generationen vergeben.

Wer einerseits für das Abenteuer etwas übrig hat, wer sein Heil nicht auf dem Weg des geringsten Widerstands sucht, sollte Russisch-Fernost in Erwägung ziehen. Das trifft z.B. für Propst Brockmann zu. Das Überschreiten von Grenzen, das Aufbrechen in ein fremdes Land, daß das unruhige Herz im Reisen die Ruhe findet – das sind Ausdrücke, die auch seine Veranlagung beschreiben. Er verehrt den Kirchenvater Augustinus und die Liturgie von Taizé.

Doch andererseits ist auch das Leben im Westen prekärer als man denkt. Mir schrieb kürzlich ein  junger Christ aus den USA: „Worte reichen nicht aus, um meine Bewunderung und meinen Respekt vor jenen Menschen, die das Evangelium in prekären Ländern wie Rußland und China verkünden, zum Ausdruck zu bringen.“ Doch nach meiner Auffassung ist das Leben in Osteuropa und Asien weder so schlimm, noch im Westen so gut, wie er es sich vorstellt. Das Schwinden der Mittelklasse und die moralischen Bauchschmerzen, die sich aus der gegenwärtigen Außenpolitik der USA ergeben, machen das Leben in den USA ebenfalls „prekär“. „Prekär“ ist es überall, es kommt darauf an, wie wir Christen die Herausforderungen meistern, mit denen wir konfrontiert sind.

Natürlich kann auch Russisch-Fernost einem Menschen zur innig geliebten Heimat werden. In Wladiwostok verwies die Laienpredigerin Nina auf die Wasserlachen, die beim Aussteigen aus einem Linienbus direkt unter den Füßen lauern können. „Wenn sie nicht da wären, würde mir diese Stadt nicht mehr als meine Heimat vorkommen“, versichert sie. Hier tritt auch ein Mentalitätsunterschied zutage: „Die Russen können auch ohne optimale Bedingungen glücklich und zufrieden sein.“

In Komsomolsk erzählt die Gemeindeleiterin Katja Weiz, sie sei vor mehr als 20 Jahren über einen Deutschkurs zur Gemeinde gestoßen. Sie hatte damals an dem kirchlich-geführten Kurs teilgenommen, in der Hoffnung, noch schneller in den Westen gelangen zu können. Danach verbrachte sie einige Wochen in Deutschland – und entschied sich für die Rückkehr nach Fernost. „Ich wollte auf Dauer keine Bürgerin zweiter Klasse sein“, erklärt sie heute. „Zwei meiner Freundinnen, die ausgereist waren, sind wiedergekommen. Mir wäre es nicht anders ergangen.“

Natürlich ist Fernost auch längst nicht mehr das, was es einmal war, als 1864 das deutsche Handelsunternehmen „Kunst & Albers“ auf dem Seeweg Wladiwostok erreichte und dort seine Zelte aufschlug. Wer genügend Kleingeld hat, kann heute in 10 Flugstunden von Chabarowsk nach Berlin gelangen. (Der Zug von Chabarowsk nach Wladiwostok dauert drei Stunden länger.) Lutheraner aus Fernost besuchen öfters Bildungsseminare in St. Petersburg und Omsk oder den Kirchentag in Deutschland. Propst Brockmann ist zwei- dreimal jährlich in Deutschland unterwegs. Nina Dmitrijewa hat eine Tochter in Kalifornien; ein Pfingstler aus Wladiwostok wird in diesem Sommer in Alaska heiraten. Ein baptistischer Flugdienst für Privatflugzeuge aus Alaska ist in Chabarowsk ansässig. Einige in Fernost lebende Menschen arbeiten im Hohen Norden sowohl östlich wie westlich des Urals und verbringen jeden zweiten Monat zuhause. Die Menschen in Fernost kennen Westeuropa und Nordamerika sehr viel besser als umgekehrt.

Und wem es an Rubel mangelt, kann noch immer zu Skype und den sozialen Medien greifen. Gerade diese Technik könnte die Lutheraner in den Weiten Rußlands noch viel stärker miteinander verbinden. Sie würde – als Notbehelf - dazu beitragen können, daß eine Kirche auf Sparflamme in Russisch-Fernost nicht gänzlich erlischt.

Dr. phil. William Yoder
Gwardejsk, den 14. Juni 2018
“kant50(at)web(dot)de”

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