06.03.2018

Die Warterei auf den weißen Rauch

Die 15. Jahreskonferenz der Russischen Evangelischen Allianz fand in Moskau statt

M o s k a u – Der weiße Rauch aus dem Schornstein ließ auf sich warten. Mit dieser römisch-katholischen Metapher beschrieb der 66-jährige Alexander Feditschkin, Präsident der Russischen Evangelischen Allianz, die langwierigen, internen Verhandlungen bis zur Einigung auf seine Kandidatur für eine neue dreijährige Amtszeit. Folglich begann die 15. Jahreskonferenz der REA, die diesjährig am 22. Februar in der lutherischen „St. Petri- und Pauli-Kathedrale“ in Moskau stattfand, mit einer Verspätung.

Feditschkin, ein langjähriger Baptistenpastor in Moskau, dient seit 2013 durchgehend als Präsident. Generalsekretär Sergei Wdowin, ein Pastor der „Vereinigung von Kirchen evangelischer Christen“ in Moskau, hat seit 2011 diese Funktion inne. Der ursprüngliche Leiter der REA, der baptistische Seminarleiter Wladimir Rjagusow (geb. 1950), erlitt 2013 einen schweren Schlaganfall. Gegenwärtig lebt er mit seiner Familie in Seattle/Bundesstaat Washington. Ulrich Materne aus Wittenberge/Elbe, der jahrelang als Osteuropabeauftragter der Deutschen Allianz fungierte und als Freund der Russischen Allianz galt, ging 2016 in Rente.

Wichtig bei der diesjährigen Konferenz mit ihren 30 Teilnehmern war die Bestimmung, daß nur die offiziellen Delegierten von Kirchen und kirchlichen Organisationen über ein Stimmrecht verfügten. So ließ sich verhindern, daß Mitglieder einer einzigen Ortsgemeinde den Ausgang von Wahlen hätten mitbestimmen können. Nahezu alle führenden protestantischen Denominationen des Landes waren bei der Konferenz vertreten. Der REA-Leitung ist es bisher relativ gut gelungen, ihrer vorgesehenen Schirmfunktion nachzukommen. Die Organisation ist keiner einzigen Kirche oder Organisation unterworfen.

Die Wiederwahl Alexander Feditschkins weist auf Kontinuität hin – mit größeren Überraschungen ist nicht zu rechnen. Doch immerhin hat Witali Wlasenkos Ernennung zum „Globalen Botschafter“ im vergangenen April zu einem bedeutenden Auftakt an ausländischen Aktivitäten geführt. Wlasenko, der bis März 2017 als Abteilungsleiter für Außenbeziehungen beim Russischen Baptistenbund fungierte, spielt bereits eine leitende Rolle in der osteuropäischen Arbeit der in der Schweiz beheimateten Europäischen Evangelischen Allianz. Die EEA wird vom 8. bis 13. Oktober im estnischen Tallinn eine Konferenz für gemeindeleitende Personen durchführen.

Wlasenko bemüht sich ferner um die Vernetzung der protestantischen Geschäftsleute und Landwirte Rußlands. Er sagt: „Es reicht nicht aus, daß sich Bauern mit dem Ernähren der eigenen Familie begnügen – unsere Ziele müssen weiter reichen. Unsere Gemeinden werden finanziell erst selbständig, wenn wir sehr viel mehr Firmen haben, die die Arbeit der Kirchen unterstützen.“ Gutbezahlte Arbeitsstellen seien das beste Mittel gegen eine anhaltende Abwanderung gen Westen. Man ist auch deshalb auf der Suche nach ausländischen Krediten und Investoren sowohl im Westen wie in China.

Doch gleichzeitig will die Russische Allianz eine zutiefst russische Einrichtung sein. Die 70 Mitglieder in der „Balsam“-Gemeinde des Sergei Wdowin haben bemerkenswerte Fortschritte erzielt bei dem Versuch, eine Selbstbestimmung und Selbstfinanzierung zu erzielen. Wdowin weist häufig darauf hin, die russische Kirche müsse sich nun auf die eigenen Kräfte verlassen.

Weitere Aktivitäten der Russischen Allianz umfassen die von Alexander Feditschkin geführten Diskussionsabende. Und in Zusammenarbeit mit den Allianzen in Europa, Israel und der Türkei, bietet die REA jährliche Bibelland-Touren in diese Länder an. Seit mehr als einem Jahrzehnt befaßt sich Wdowin mit diesem Programm. Der Generalsekretär betont ferner die Bedeutung von regelmäßigen Gebetsversammlungen. Er besteht darauf, daß solche Begegnungen handfeste Ergebnisse vorzuweisen haben. In diesem Jahr wird eine russische Delegation die Jahreskonferenz der Deutschen Allianz vom 1. bis 5. August in Bad Blankenburg aufsuchen.

Im Allgemeinen bleibt der Russische Protestantismus gespalten. Seit 2015 arbeiten nicht alle größeren Denominationen im „Konsultativrat der Leiter der protestantischen Kirchen Rußlands“ mit. Nun wird die REA beginnen, an den Sitzungen des Konsultativrats teilzunehmen. Die Allianz sieht im Konsultativrat keinen Konkurrenten: Der Konsultativrat ist bemüht, von oben nach unten zu arbeiten, bei der Allianz ist der Fall umgekehrt. Die REA ist bestrebt, eine Laienbewegung von Christusgläubigen zu sein, die sich um die zwischenkirchliche Kooperation bemüht. Die REA versteht sich als eine Bewegung, in der geringstenfalls alle Protestanten teilnehmen dürfen.

Bei der Konferenz berichtete Präsident Feditschkin von der Angst der Gläubigen, die sich vor allem aus den Folgen der restriktiven Jarowaja-Gesetze von 2016 ergibt. Zahlreiche Kirchengebäude und Bildungsprogramme werden gegenwärtig vom Staat unter die Lupe genommen. Die Leitung der Allianz bleibt sich jedoch einig in der Überzeugung, daß man sich ruhig verhalten und weiterhin den Auftrag der Kirche in vollem Umfange wahrzunehmen habe. Bei diesem Treffen beschrieb Iwan Boritschewski vom Moskauer Büro der von Eduard Grabowenko angeführten, pfingstlerischen „Russischen Kirche der Christen evangelischen Glaubens“ die Gegenwart sogar als eine „großartige und gesegnete Zeit, um der Arbeit der Kirche nachzukommen“. Da sich die Kirchen um die Einhaltung aller russischen Gesetze bemühen, gebe es keinen Grund für die Angst.

Berlin, den 6. März 2018

Dies ist eine offizielle Pressemeldung der Russischen Evangelischen Allianz. Sie darf gebührenfrei abgedruckt werden, wenn die Quelle angegeben wird. Meldung 18-2, 719 Wörter.