22.12.2014

Ein Wort an unsere Freunde außerhalb Rußlands

M o s k a u -- Herzliche Weihnachtsgrüße an alle Freunde der “Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten” in der ganzen Welt! Wir sind auch vollends beschäftigt – befaßt mit dem Verbinden von physischen und geistlichen Wunden. Trotz der finanziellen Krise setzen wir unsere Arbeit fort. Nicht zum ersten Mal seit 1990 erlebt unser Land erhebliche Währungsunsicherheiten. Wir setzen uns weiterhin für die geistliche und ökonomische Entwicklung unserer Kirche ein. Gerade jetzt, am 13. Dezember, publizierte unsere Union ein neues Papier unter dem Namen: „Das soziale Konzept der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“. Es befaßt sich mit einer breiten Palette von sozialen, politischen und ethischen Fragen.

Diese Stellungnahme beklagt anhaltende Anzeichen von Xenophobie, Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus in der russischen Gesellschaft. Sie würdigt zugleich die historische Rolle der russischen Orthodoxie und anderen christlichen Kirchen bei der Entwicklung des Landes und betont den Wunsch, Andersgläubige nicht vor den Kopf zu stoßen. Sie tritt auch für die Zusammenarbeit mit nichtchristlichen Religionen bei der Verteidigung von Glaubensfreiheit ein.

Wir von der RUECB möchten weiterhin unseren Nachbarn im Lande beweisen, daß auch wir eine traditionelle, russische Größe sind. Auch wir setzen uns für die Verbesserung unserer Gesellschaft und ihrer Menschen ein. Wir möchten, daß die russische Nation und ihre Kirchen gedeihen.

Dieses Papier unterstreicht, daß wir russische Baptisten loyale Staatsbürger sein wollen – und sind. Doch da möchte ich hinzufügen, daß wir auch unseren Brüdern und Schwestern anderswo das gleiche Recht einräumen, ihren Ländern und Völkern ein Segen zu sein. Aber dieser Patriotismus ist kein Nationalismus – er darf anderen Gesellschaften und Ländern nicht schaden. Wir lieben unser Land – welches uns keineswegs die Freiheit gibt, andere zu hassen oder ihnen irgendwie zu schaden.

Diese Stellungnahme weist auf positive Entwicklungen im Westen hin, von denen wir lernen können. Sie kritisiert z.B. das mangelnde Interesse an Umweltfragen in kirchlichen und politischen Kreisen. Sie meint, Rußland habe sich an jene Gesellschaften zu wenden, „die in diesem Bereich größere Erfolge erzielt haben“.

Bezüglich der Friedensfrage: Wir danken Gott dafür, wenn die Waffen in der Ostukraine schweigen. Doch hoffen wir auf viel mehr – auf einen dauerhaften Frieden. Wir lieben unsere Brüder und Schwestern in der Ukraine und sehnen uns nach der Zeit, in der wir einmal wieder in einer konstruktiven Art und Weise Umgang miteinander pflegen können. Wir Russen und Ukrainer stammen aus derselben kulturellen und geistlichen Familie, und der Schmerz eines Teils der Familie verursacht Schmerzen innerhalb der gesamten Familie.

Wir sitzen nicht auf gepackten Koffern. Wir stehen in der Pflicht, in Rußland zu bleiben und uns hier für Gottes Reich einzusetzen. Es kann kein Zufall sein, daß wir in Rußland oder in der ehemaligen Sowjetunion auf die Welt kamen. Gott hatte seine Gründe dafür, daß wir uns hier befinden. Äußere oder innere Flucht sind keine Alternativen, die Gott in der Regel gutheißt.

Wenn wir Fehler begehen, wenn wir andere verletzen, möchten wir als einzelne oder auch als Union um Verzeihung bitten. Uns sagte der Apostel Paulus: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ 1. Korinther 13,12.

Einen herzlichen Dank an alle, die sich um uns sorgen und für uns beten.

Pastor Witali Wlasenko
Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen, RUECB
Moskau, 22. Dezember 2014

Eine offizielle Verlautbarung der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen. Sie darf kostenlos abgedruckt werden. Meldung #14-15, 522 Wörter