27.12.2018

Gründe für Hoffnung in der Ost-Ukraine

Ein Moskauer Pastor berichtet über seinen Besuch in Lugansk

M o s k a u – Während einer Begegnung mit dem Moskauer Baptistenpastor Witali Wlasenko am 14. Dezember betonte der Lugansker Metropolit Mitrofan, daß „Evangeliumschristen, Baptisten und Pfingstler zu den traditionellen Konfessionen in unserer Region gehören“. Der orthodoxe Geistliche versprach, alles in seiner Macht zu tun, um die Beziehungen zwischen Protestanten und der abgespaltenen „Lugansker Volksrepublik“ (LVR) in der umkämpften Ost-Ukraine zu normalisieren.

Seit dem 15. Oktober sind alle der 48 protestantischen Ortsgemeinden im Gebiet Lugansk offiziell unregistriert. Bis zu diesem Datum hatte keine von ihnen die strengen Bedingungen der LVR für die Neuregistrierung erfüllt. Als Folge wurde die Gaszufuhr zu einigen Kirchen eingestellt; ein Abstellen des Stroms erscheint möglich. Folglich trifft sich eine zunehmende Zahl von Evangelischen in Privatquartieren. Ohne Registrierung ist das Besuchen von Waisenhäusern und andere Formen öffentlichen Dienstes kaum möglich. Wegen Übertretungen sind Geldstrafen von 5.000 russischen Rubeln (gegenwärtig 67 Euro) mehrfach verhängt worden; wiederholte Übertretungen können eine Verhaftung nach sich ziehen.

Nach dem Gespräch mit Mitrofan wurde der Gast aus Moskau noch von Dmitri Sidorow, dem jungen Minister der LVR für Kultur, Sport und Jugend, empfangen. Sidorow versicherte seinem Gast, daß rechtschaffende Evangelische nichts zu befürchten hätten und sie sich erneut um die Registrierung bemühen sollten. Die Bestimmungen für die Neuregistrierung verlangen die Unterschriften von 30 Gemeindegliedern, die seit der Schaffung der LVR 2014 gesetzlich unbescholten sind. Nach Wlasenko verfügen nur 32 der 48 Gemeinden im Gebiet über die erforderliche Mitgliederzahl; die übrigen 16 haben sich schon beim ersten Anlauf nicht um die Registrierung bemüht. Bei einem Gespräch unter den evangelischen Leitern im Gebiet ist bereits entschieden worden, die Neuregistrierung für einen möglichst großen Kreis von Gemeinden erneut zu versuchen.

Der Gast aus Moskau beschreibt die Stimmung unter den Evangelischen der LVR als verzweifelt. Sie bemühen sich, ihren Weg „zwischen zwei Feuern“ zu finden. Sowohl die Behörden vor Ort sowie die Kirchenleitungen jenseits der Front im fernen Kiew verlangen Zeichen der Ergebenheit. Zugeständnisse gegenüber der örtlichen Regierung können zu Vorwürfen des Verrats seitens der pro-Kiewer Kreise führen. Kirchendiplomaten aus Rußland, die sich um eine Vermittlung zwischen Kirche und Staat im Donbass bemühen, wird vorgehalten, sich in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einzumischen. Es sind jedoch nur pro-russische Ukrainer und Russen, die Aussichten haben, eine Verständigung in Lugansk oder Donezk zu erzielen. Nur sie haben Zugang zu den Behörden der LVR. 

Kommentar von Yoder
In einer Reaktion auf diesen Besuch auf Facebook am 15. Dezember fragte ein in Washington/USA wohnender Ukrainer rhetorisch, in welcher Weise sich eine legale Übereinkunft mit einem illegalen Staat erzielen läßt. Die politisch-aktiven Evangelischen in Kiew wenden Römer 13,1 – daß Christen der Obrigkeit untertan sein sollten – auf die beiden abgespaltenen Staaten in der Ost-Ukraine nicht an. Zur Begründung ihrer Haltung werden sie auf die verfassungswidrige und somit illegale Schaffung dieser beiden Staaten hinweisen. Doch die Kiewer Regierung ist nicht weniger illegal, denn sie ist das Ergebnis gewalttätiger Straßenproteste im Februar 2014, die die verfassungsmäßig-gewählte Regierung von Wiktor Janukowitsch stürzten.

Dr. phil. William Yoder
Gwardejsk, den 27. December 2018
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