01.10.2017

In einem normalen Land leben

Russische Protestanten zur Ausreise in die USA eingeladen

G w a r d e j s k -- Offensichtlich haben die gegen den Proselytismus gerichteten “Jarowaja Gesetze” von Juli 2016 nicht nur negative Folgen für die Protestanten Rußlands. In einer vom protestantischen Werbeforum „Christianski Megafon“ (einst „Maxima-News“) verbreiteten Anzeige lädt ein „Amerikanisches Visazentrum“ gegenwärtig zur Ausreise in die USA ein (siehe u.a. „www.vizausa38.com/politicheskoe-ubezhishe“).

Die russischsprachige Einladung beginnt wie folgt: „Liebe Brüder und Schwestern in Christus! Mit Annahme der ‚Jarowaja-Gesetze‘ . . . hat sich eine unglückliche Lage weiter verschärft. Um mehr über deren Einzelheiten zu erfahren, sollten sie nach dem ‚Gesetz Jarowaja‘ oder dem ‚Paket Jarowaja‘ in den Suchmaschinen suchen.“

„Wir haben in diesem Zusammenhang beschlossen, allen interessierten Christen zu helfen, Rußland zu verlassen und politisches Asyl in den USA zu erhalten.“ Dabei weist das Visazentrum darauf hin, daß es in den letzten 20 Jahren spezielle Quoten für religiös Verfolgte gegeben hat. „Doch z.Zt. sind diese Quoten außer Kraft und es bleibt nur noch die Option, sich in die Reihe der politisches Asyl Suchenden einzureihen.“ Ein Mitteilungskasten für Interessierte ist mit der Frage überschrieben: „Wollen Sie in einem normalen Land leben?“

Allerdings ist die Hilfe des Zentrums nicht kostenlos: Der Preis für den Erhalt eines Visums als politischer Flüchtling beträgt $5.000. Pikant dabei ist, daß sich dieses Hilfszentrum für politisch Verfolgte nicht im Westen, sondern in Irkutsk am Baikalsee befindet.

Mein Kommentar: Wenn es wirklich darum geht, bar aller ökonomischen Überlegungen einer religiösen Verfolgung zu entfliehen, würde Protestanten ein visafreier, nahezu kostenloser Wechsel über die Grenze in die benachbarte Ukraine genügen. Und hoffentlich läßt sich eine wirkliche Verfolgung auch ohne Suchmaschine feststellen.

Und nach welchen Kriterien sind die USA ein „normales“ Land? Trotz aller von den kommunistisch-geführten Ländern begangenen Verbrechen ist bisher noch keins auf die Idee gekommen, anhand von 580.000 Luftangriffen ein verarmtes, südasiatisches Land mit Streubomben zu übersähen. Laos ist es in den 44 Jahren seit 1973 erst gelungen, 1% der Blindgänger zu entschärfen (siehe „legaciesofwar.org/resources/cluster-bomb-fact-sheet“). Das könnte noch Jahrhunderte beanspruchen.

Am 4. September 2017 schlug das angesehene „Wall Street Journal“ vor, Nordkorea ohne Krieg mit dem Hungertod zu besiegen. Schließlich litten bereits 40% der Bevölkerung an Unterernährung (siehe „www.wsj.com/articles/options-for-removing-kim-jong-un-1504556500“).

Dr. phil. William Yoder
Gwardejsk, den 1. Oktober 2017
“kant50(at)web(dot)de”

Für diese journalistische Veröffentlichung ist allein der Verfasser verantwortlich. Sie will informieren und erhebt nicht den Anspruch, die offizielle Meinung einer Organisation zu vertreten. Diese Meldung darf gebührenfrei abgedruckt werden, wenn die Quelle angegeben wird. Meldung 17-13, 344 Wörter.